Bumm! Freenet Funk ist die erste bezahlbare LTE-Flatrate

09. Mai 2019

Für mich einigermaßen überraschend und ohne große Vorwarnung ist in dieser Woche Freenet Funk gestartet, ein neues Angebot von Freenet. Es besteht aus zwei Tarifen, von denen vor allem der größere spannend ist: Für 99 Cent am Tag umfasst er eine echte LTE-Flatrate ohne Volumen- und Geschwindigkeitsbegrenzung.

Freenet stellt als Besonderheit des Tarifs vor allem die Art und Weise in den Mittelpunkt, wie er gebucht werden kann: Ausschließlich per App, mit der Laufzeit von nur einem Tag, inklusive täglicher Abrechnung und täglicher Bezahlung (ausschließlich via PayPal). Außerdem gibt es die Option, den Tarif für 14 Tage zu pausieren. Per SMS und Telefon bleibt man in dieser Zeit erreichbar.

Aber zurück zum Highlight: der LTE-Flatrate. Die kostet im längsten Monat mit 31 Tagen 31 × 0,99 Euro, also unterm Strich höchsten 30,69 Euro. Bislang gab es die günstigste LTE-Flatrate direkt bei O2 – für den doppelten Preis von 59,99 Euro pro Monat und einer Vertragslaufzeit von 24 Monaten.

Wie gravierend die Einführung dieses Tarifs eigentlich ist, kann man am Digital Fuel Monitor von Rewheel deutlich machen. Ich habe einfach mal den Sprung eingezeichnet, den Deutschland mit Einführung von Freenet Funk macht:

Das ist einigermaßen beeindruckend.

Im Sommer 2018 hatte ich mal eine Civey-Umfrage beauftragt, mit der ich herausfinden wollte, was Menschen denn so zahlen würden für eine echte LTE-Flatrate. Die Antworten von damals sind hier dokumentiert: 41,2 Prozent wollten damals höchstens 20 Euro, immerhin noch 19,5 Prozent bis zu 30 Euro pro Monat für eine solche Flatrate bezahlen. Zumindest theoretisch ist der Freenet-Tarif damit jetzt für jeden Fünften eine gangbare Option. Inzwischen gibt es die Umfrage-Ergebnisse auch mit erweitertem Umfragezeitraum bis 15.03.2019: Für 37,8 Prozent ist da das Limit noch bei 20 Euro, 30 Euro wollen etwas mehr bezahlen: 20,7 Prozent. Womöglich ist das so eine Art Anpassung an die von Telekom, Vodafone und O2 geschaffene Realität.

Meine Vermutung ist allerdings: Fast kein Mensch hat diese Flatrates bislang gekauft. Vodafone hat den Online-Verkauf des unlimitierten Tarifs schon gegen Ende 2019 komplett eingestellt.

Dank Freenet Funk gibt es jetzt allerdings eine echte Flatrate für einen für deutsche Verhältnisse absurd guten Preis. Mal kurz geguckt, was es bei der Telekom gibt: 3,5 GB im Monat kosten – festhalten – 36,95 Euro. Bei Vodafone gibt es für 30 Euro 11 GB – im ersten Jahr. Danach steigt der Preis auf 45 Euro. Die einzige realistische Alternative für Menschen ohne viel Geld gibt es bei O2, zumal dort gerade 6 Monate Grundgebühr entfallen.

Apropos O2. Das ist der erste – und größte – Haken am Freenet-Angebot. Das O2-Netz ist inzwischen vor allem in Städten gut benutzbar. Auf dem Land sieht es nach wie vor sehr schlecht aus. Ich bin vor einigen Monaten bekanntlich vom O2- ins Vodafone-Netz gewechselt. Und habe hier in München nicht das Gefühl, besser versorgt zu sein. Ein großer Vorteil ist allerdings: Wer Freenet Funk bucht und merkt, dass das Netz nicht funktioniert, ist von heute auf morgen wieder weg. Und hat nicht mehr als ein paar Euro bezahlt.

Zweiter Haken ist das Fehlen von EU-Roaming, das allerdings so schnell wie möglich nachgereicht werden soll. Gemäß EU-Fair-Use-Policy, die sich in erster Linie am monatlichen Preis berechnet, wird es wohl 11 GB EU-Datenvolumen geben. Das sollte reichen. Weitere Optionen wie eSIM-Funktionalität sind wünschenswert, bei MVNOs beziehungsweise Diensteanbietern in Deutschland bislang aber grundsätzlich nicht zu haben. Das kann sich aber auch schnell ändern.

Ein paar andere Beobachtungen

inside handy hat die Funk-Flatrate ausprobiert. Tatsächlich scheint das Produkt etwas unfertig auf den Markt geworfen worden zu sein (und wohl auch einen Tag früher als zunächst beabsichtigt). Das äußert sich zum Beispiel so, dass auch in der 69-Cent-Variante des Tarifs das Volumen nicht begrenzt ist, obwohl pro Tag maximal 1 GB möglich sein sollte. Das dürfte sich allerdings schnell einpendeln.

Auch cool: Zumindest in einigen Großstädten wird die SIM-Karte bei Bestellung bis 16 Uhr noch am gleichen Tag geliefert, ohne dass das zusätzlich kostet.

Telekom, Vodafone, O2

Die Telekom hat gerade ihr Ergebnis für das erste Quartal 2019 vorgelegt, und es ist sehr lustig: Richtig Geld kommt von der US-Tochter, die dafür bekannt ist, den Markt mit innovativen und günstigen Angeboten aufzumischen. Das ist also die komplett gegenteilige Strategie wie hier in Deutschland. Apropos Deutschland: 240.000 Mobilfunkkunden haben sich in Q1 verabschiedet. Keine große Überraschung.

Vodafone hat gerade neue Tarife vorgestellt, die Ende Mai starten. Es gibt mehr Datenvolumen, aber gleichzeitig steigen auch die absoluten Preise.

O2 ist um 302.000 Free-Tarife gewachsen, was sehr beachtlich ist. Und dafür spricht, dass auch in Deutschland allmählich ein höheres Interesse an bezahlbaren und angemessen großen Tarifen besteht. Erfreulicherweise hat O2 jüngst auch die unbefriedigende UMTS-Limitierung gekippt.

Wirklich spannend bleibt, ob und welche Reaktionen es auf das Freenet-Angebot geben wird. Telekom und Vodafone könnten ihre Preise derzeit halbieren, und hätten – aus rein preislicher Sicht – immer noch keine konkurrenzfähigen Angebote. Vodafone und Telekom haben als starkes Argument immerhin in der Hinterhand, dass sie eben nicht O2 sind und die besseren Netze haben.

Und noch ein letzter Gedanke: O2 hat bereits angekündigt, der eigenen Strategie treu bleiben zu wollen, die vor allem heißt: Vergleichsweise viel Leistung für vergleichsweise wenig Geld. Bei der 5G-Auktion zeichnet sich ab, dass O2 mit einem Minimum an Frequenzen auskommen will (und muss). Wirklich große Leistungssprünge im Netz sind also nicht zu erwarten – das wird sich mit einer höheren Zahl an Kunden nicht ändern. Etwas Entlastung könnte das Netz von 1&1 Drillisch bringen – allerdings frühestens in einigen Jahren. Dennoch erwarte ich von O2 am ehesten ein vergleichbares Angebot.

Und ich so?

Habe noch 19,14 Euro Vodafone-Guthaben. Und bin danach wohl erstmal Funk-Kunde.

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