München – London – Glasgow – Inverness – London – München

30. September 2019

Bevor die Briten sich aus der EU verabschieden, dachten wir so, statten wir denen doch noch einen Besuch ab. Und weil wir eigentlich zuerst nach Russland und dort mit der Transsibirischen Eisenbahn fahren wollten, haben wir uns in den Kopf gesetzt, mit der Bahn zu fahren anstatt zu fliegen. Das hier ist ein kurzer (haha – wem mach ich hier was vor?) Erfahrungsbericht.

1. München – London (und zurück)

Erster großer Abschnitt unserer Reise führte von München nach London. Die Hinfahrt haben wir im Reisezentrum im Münchner Hauptbahnhof gebucht, was ohne Aufpreis möglich ist, aber aberwitzig lange gedauert hat. Aus irgendeinem Grund, den ich gerade nur noch vage im Kopf habe, ist eine Buchung für diese Fahrt maximal zwei Monate im Voraus möglich (ich meine, dass früher keine Sitzplätze im Eurostar reserviert werden können – das ist aber zwingend nötig), deswegen sind wir erstmal mit nur einem Ticket nach Hause. Das Rückfahrtticket haben wir anschließend ohne größere Probleme online gekauft. Als hilfreich erwiesen hat sich die Reisesuche Omio – wir haben damit verhältnismäßig günstige Tickets bekommen und pro Richtung 94,40 Euro pro Person gezahlt.

Bahnfahren in Deutschland ist mit den üblichen Schmerzen verbunden – während der Hinfahrt befanden wir uns plötzlich in einem ICE mit Lok, die nur noch 140 km/h fahren konnte. Die Zeit für den Umstieg in Brüssel wurde damit immer knapper, am Ende hat aber doch alles geklappt. Stichwort Umstieg in Brüssel: In den Eurostar checkt man ein und durchläuft dafür einen Flughafen-ähnlichen Prozess mit Gepäck-Scan und Passkontrolle. 45 Minuten soll man dafür offiziell einplanen, bei uns ging es aber etwas schneller.

Die Fahrt durch den Eurotunnel könnte kaum unspektakulärer sein.

Von München nach London waren wir gute zehn Stunden unterwegs. Die Rückfahrt dauerte etwa elf Stunden. (DB-Bilanz: Erster Zug endete außerplanmäßig in Köln (da mussten wir zum Glück eh raus), anschließend hatte unser IC ein paar Minuten Verspätung – unser vollständig überfüllter ICE in Mannheim wartete erfreulicherweise.)

2. London – Glasgow

Vor unserer Reise haben wir uns einen Britrail Pass besorgt, selbstverständlich in der 1.-Klasse-Variante (was unwesentlich mehr Geld kostet). Das kann ich wärmstens empfehlen. Der Britrail Pass gibt es nur für Ausländer, weil ihn sonst jede Britin dauerhaft kaufen würde. Er ist so eine Art limitierte Bahncard 100 für Großbritannien (oder auch nur Teile davon), mit dem man tagesweise mit beliebigen Zügen fahren kann, ohne separat Tickets kaufen zu müssen. Für einen an zwei Tagen gültigen Pass haben wir jeweils 156 Pfund gezahlt. Es ist sehr ratsam, zusätzlich Plätze zu reservieren, was an den Schaltern (und einer Hotline) kostenlos möglich ist. Vor acprail.com sei hiermit gewarnt. Wir haben unsere Pässe auf visitbritain.com gekauft, die Tickets kamen dann per Post.

Am Tag nach unserer Ankunft in London sind wir mit dem Zug nach Glasgow gefahren. Zwischen London und Glasgow fahren Züge von Virgin Trains, und nachdem man dort einmal in der ersten Klasse gesessen ist, verflucht man die Deutsche Bahn umso mehr: Wir haben das Abteil betreten und – natürlich völlig unwissend und unvorbereitet – bereits gedeckte Tische vorgefunden. Während der knapp fünfstündigen Fahrt wurde mehrfach warmes und kaltes Essen gereicht, durchgehend gab es außerdem Kaffee, Tee und Wasser. Man möchte überhaupt nicht mehr aussteigen (Na gut: Mir war während dieser Fahrt durchgehend etwas übel, insofern war ich über unsere Ankunft nicht allzu unglücklich. Aber theoretisch.)

Ab Glasgow haben wir etwas gemogelt und sind eine Woche mit dem Auto durch Schottland gekurvt, um schließlich in Inverness zu laden.

3. Inverness – London

Von Inverness (ziemlich weit oben) nach London (ziemlich weit unten) gibt es täglich einen Zug, der sehr früh, dafür aber direkt und ohne Umstieg fährt. Den haben wir verpasst.

Stattdessen ging es zunächst nach Edinburgh (1. Klasse im ScotRail-Zug ist ziemlich bescheiden – aber Snacks, Wasser, Tee und Kaffee gab's auch hier gratis) und von dort wieder mit einem Virgin-Zug nach London. Unglücklicherweise haben wir einen Bankfeiertag erwischt, was unsere Bemühungen, eine Reservierung für die Fahrt zu bekommen, etwas ins Leere laufen ließ. Dachten wir zumindest: Ergattern konnten wir eine Reservierung für einen späteren Zug von Edinburgh nach London, den wir dann – Verspätung des Zuges dorthin sei Dank – auch tatsächlich bequem nehmen konnten. Insgesamt waren wie auch hier rund zehn Stunden unterwegs.

London

London ist toll.

4. London – München

Der Weg von London nach München führt wieder mit dem Eurostar durch den Eurotunnel nach Brüssel. Eingecheckt wird natürlich in London, dort findet auch die Passkontrolle statt, um wieder in die EU zu dürfen (dass das UK nicht zum Schengen-Raum gehört, war auch so ein Detail, über das ich mir im Vorfeld erschreckend wenig Gedanken gemacht habe). In aller Unspektakularität geht es durch den Tunnel zurück aufs Festland. Dort hat man dann Spaß mit der Deutschen Bahn (siehe oben).

Aber unterm Strich: Mit dem Zug nach Großbritannien zu fahren (und auch dort ein bisschen weiterzufahren), ist trotz gelegentlicher Aufregung recht schmerzlos möglich und gegenüber einem Flug nicht so viel teurer, als dass man die Option nicht zumindest in Erwägung ziehen könnte. Ich würd's nochmal so machen.

Weiter geht's im November: Unser flugfreies Jahr komplementiert eine Zugfahrt nach Budapest. Von München aus geht das sehr bequem (ohne Umsteigen) und sehr günstig (etwa 80 Euro für Hin- und Rückfahrt).