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(30. März 2021)

Fünf wunderbare Ergänzungen für Spotify (bei der vierten musste ich weinen)

Es vergeht wahrscheinlich keine Woche, in der ich mich nicht schrecklich über Spotify ärgere – weil ich zu wenig Musik vorgeschlagen bekomme, weil die Vorschläge fürchterlich sind, weil die Vorschläge bald noch viel fürchterlicher sein könnten, weil ich Podcasts nicht auf Spotify hören und sie dort auch nicht die ganze um die Ohren gehauen bekommen möchte. Dass Spotify zudem regelmäßig dadurch auffällt, Künstler*innen auffallend schlecht zu bezahlen, macht die Sache nicht besser. Nun ist allerdings auch keine der Spotify-Alternativen (die ich bisher ausprobiert habe) nennenswert besser. Insofern verbleibe ich bis auf Weiteres zahlen- und leidender Kunde.

Immer wieder beeindruckend finde ich unterdessen die Vielfalt an Apps und Angeboten, die sich der offiziellen Entwickler-Schnittstelle oder anderen zwielichtigen Zugängen bedienen und Spotify damit um nützliche Funktionen ergänzen. Und weil man das viel besser versteht, wenn man es sich selbst anguckt, seien einige dieser Tools hier kurz vorgestellt.

Every Noise

Unter Every Noise sammeln sich die unterschiedlichsten Dinge, die alle auf ihre Art beeindruckend sind. Auf der Startseite findet sich eine Übersicht aller Genres, die auf Spotify bisher entdeckt wurden – insgesamt sind das über 5000 Stück, einige so naheliegend wie lullaby oder indie pop, andere so speziell wie birdsong, dusseldorf electronic oder, ja, Neue deutsche Todeskunst. Alle Genres sind so auf einer Karte verortet, dass ähnlich Genres nah beieinander liegen.

Eigentlich gekommen bin ich auf Every Noise aber, weil ich auf der Suche nach einer Übersicht aller Neuerscheinungen war. Genau diese Übersicht bietet Every Noise an, angesichts der schieren Menge an Veröffentlichungen sortiert nach Genres und filterbar nach Land. Lesenswert ist die (kurze) Geschichte des Sorting Hat, dem Vorläufer der Release-Übersicht. Die Ursprungsidee: Alle Neuveröffentlichungen einer Woche auf einer Seite anzeigen. Als die Zahl der wöchentlichen Releases die 40.000 überstieg, war klar, dass der Ansatz nicht mehr funktionierte.

Every Noise bietet noch andere wunderbare und wunderbar kuriose Dinge an, die man sich auf jeden Fall ansehen sollte. Eines möchte ich noch hervorheben: Every Place at Once schlüsselt auf, welche Musik in welchen Städten aktuell besonders beliebt ist. Hier in München hören Menschen folgerichtig Dicht & Ergreifend, Harry G, LaBrassBanda, Spider Murhphy Gang und Hans Söllner.

Discover Quickly

Discover Quickly ist ein abgefahrenes Ding. Ist einmal Zugriff auf den Spotify-Account gewährt, ist Discover Quickly ein fantastisches Werkzeug, um schnell große Mengen Musik zu durchforsten. Ausgangspunkt kann (unter anderem) eine eigene Playlist sein, deren Titel als Cover in einem Raster aufgeschlüsselt werden. Hält man die Maus darüber, spielt der Track ab. Einfach so, mit minimaler Verzögerung, es funktioniert einfach.

Das ist aber erst der Anfang. Jedes Cover kann angeklickt werden, woraufhin sich in einem weiteren Modul eine Künstler*innen-Ansicht öffnet, auf der wiederum Top-Tracks und Alben angespielt werden können. Daneben tauchen verwandte Künstler*innen auf, die auf die gleiche Art und Weise in kürzester Zeit probegehört werden können. Direkt aus Discover Quickly heraus ist es möglich, Künstler*innen zu folgen, Tracks in Playlisten abzulegen oder zu speichern.

Organize Your Music

Apropos Genres: Unter anderem danach lässt sich die eigene Musik-Sammlung mit Organize Your Music filtern. Über Jahre wahllos gespeicherter Titel können auf diesem Weg halbwegs schnell sortiert und in neuen Playlists kombiniert werden. Neben Genres sortiert Organize Your Music Titel auch in Töpfe nach Stimmung ("amped", "danceable", "anger", "happy", "chill"), nach Style (etwa "live" oder "instrumental"), nach Dekade, nach Popularität, nach Länge – und nach Speicherdatum. So finden sich beispielsweise Titel, dir vor über zwei Jahren gespeichert wurden.

Einigermaßen unnütz, aber deswegen natürlich nicht uninteressant, ist die Möglichkeit, eine Auswahl von Titeln in einem Diagramm mit frei wählbaren Achsen anzeigen zu lassen. Daraus ergibt sich dann zum Beispiel eine Ansicht, aus der sich besonders energetische und zugleich besonders fröhliche Songs entnehmen lassen. Faszinierend.

Eary

Dass es auf Spotify etliche Hörbücher und Hörspiele gibt, ist wunderbar. Wie Spotify diese Inhalte präsentiert, ist lachhaft. So gibt es keine vernünftige Möglichkeit, Hörbücher und Hörspiele überhaupt zu finden, viel erbärmlicher versagt Spotify aber dann, wenn es darum geht, die Titel wiederzugeben: Einmal nicht aufgepasst, startet das Hörspiel im Shuffle-Modus. Lange Hörbücher zu hören wird unerträglich mühsam, weil Spotify sich die Abspielposition nicht merkt. Wer den Fehler macht, einen falschen Titel zu liken, muss damit rechnen, in Zukunft zufällige Hörspiel- oder Hörbuch-Titel in den Vorschlägen zu finden.
Diese Probleme sind Spotify nicht unbekannt, Lösungen werden seit Jahren vorgeschlagen – und ignoriert. Kurzum: Es ist ein Elend.

Ein Elend, aus dem es ein Entkommen gibt: Eary, als kostenlose App für iOS verfügbar. Eary macht alles richtig, was Spotify nicht auf die Reihe bekommt: Eary spielt Hörbücher ab, zuverlässig in korrekter Reihenfolge, und mit der für Spotify-Verhältnisse revolutionären Eigenschaft, dass Eary sich merkt, an welcher Stellen man pausiert – und das klappt für beliebig viele Titel gleichzeitig. Unglaublich. Es gibt sogar eine Entdecken-Funktion, die nur Hörbücher und Hörspiele anzeigt.

Smarter Playlists

Smarter Playlists ist eine sehr nerdige Geschichte. Das Prinzip: Aus einer Liste von Tracks erstellt das Tool Playlisten, und befolgt dabei frei kombinierbare Regeln und Filter. Die Playlisten können entweder einmalig generiert, oder periodisch mit neuen Tracks bestückt werden. Die Quelle an Tracks können zum einen selbst Playlisten sein, zum anderen aber auch Künstler*innen-Radios, eine Liste der eigenen meistgespielten Tracks, oder Top-Tracks aller gefolgten Künstler*innen.

Tracks aus mehreren Quellen können auf unterschiedliche Arten kombiniert werden (zum Beispiel alternierend oder in zufälliger Reihenfolge), anschließend sortiert und auf Wunsch auch gefiltert werden – so lassen sich in einer Playlist zum Beispiel Tracks ausschließen, die nicht aus einem gewählten Zeitraum stammen, oder einen bestimmten Wert in der danceable-Wertung nicht erreichen.

Eine Idee der Möglichkeiten bekommt man hier im Beispiel-Bereich.