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(21. August 2020)

Vorfreude: Heatle - (vielleicht) der schönste Wasserkocher

Sagen wir, wie's ist (so grob mal): 96% Prozent aller Pressemitteilungen sind Mist, etwa 3 Prozent lösen Gefühle und zwischen Belustigung und Cringe aus, und dann gibt es einen winzigen Teil, der echtes Interesse weckt. So ein Ausnahmefall, der bei mir gerade einen Hauch Begeisterung auslöst: der Heatle, ein "Smart heater for water, milk & any liquid". Angesichts von "Smart" schrillen sodann erstmal die Alarmglocken, aber die beruhigende Nachricht: den Heatle kann man (soweit man das heute sagen kann) auch ohne App gut benutzen.

Der Heatle wird etwas überschwänglich als "absolut neuartig" angepriesen, wenn man sich aber anguckt, was er macht, scheint das Konzept dermaßen naheliegend, dass man sich schon wundern muss, wieso es bislang nicht umgesetzt wurde (aber dazu gleich mehr): Der Heatle besteht aus einer Induktionsplatte und einem kleinen Stab mit magnetischem Metallfuß. Auf die Platte kommt ein beliebiges Gefäß mit einer beliebigen Flüssigkeit, und dort hinein schließlich besagter Stab. Die Induktionsplatte macht den Stab warm, und der die Flüssigkeit. Wie gesagt: Gar nicht so arg kompliziert. (Und etwas abfällig mag man vielleicht meinen: auch nur ein bisschen abgefahrener Tauchsieder.)

Wenn das alles so funktioniert wie beschrieben, hat es ein paar schöne Vorteile gegenüber einem klassischen Wasserkocher, zuvorderst: Ich muss den verdammten Wasserkocher nicht mehr entkalken. Die Heatle-Menschen behaupten außerdem, dass der Heatle wesentlich schneller ist als ein Wasserkocher, dass damit nur die benötigte Menge an Flüssigkeit erwärmt wird, und dass das ganze (wohl auch als Resultat dieser beiden Faktoren) damit umweltfreundlicher ist als ein normaler Kocher. Eingebaut in den Heatle-Stab ist ein Thermometer, die Flüssigkeit kann somit auf jede gewünschte Temperatur erhitzt werden.

So viel zu den Basics. Jetzt die Extras.

  • Ich erwähnte bereits, dass das Konzept doch recht naheliegend erscheint, und tatsächlich hat der Heatle einen Vorgänger, den Miito. Der startete 2015 auf Kickstarter und war zunächst unglaublich erfolgreich: Über 818.000 Euro wurden eingesammelt (anvisiert waren 150.000) – und damit war die Erfolgsgeschichte dann auch zu Ende. Im März 2017 musste die Miito GmbH Insolvenz anmelden. Vom Miito selbst hat man seitdem nichts mehr gehört oder gesehen. Die angegebenen Gründe für das Scheitern damals: Streit mit einem Fertigungspartner und Probleme bei der Zertifizierung des Prototyps.
  • Wann und wo und für wie viel: Der Heatle soll auf der IFA (also Anfang September) offiziell gezeigt werden. Der Marktstart ist für das erste Quartal 2021 angedacht (das aktuelle Entwicklungsstadium wird als "seriennahe Marktreife" beschrieben). Einen Preis gibt es noch nicht, und auf Nachfrage verrät Heatle nur, dass das Gerät "erheblich günstiger als die Alternativen" sein wird und zudem "viel günstiger", als ich erwarten würde. Der Miito lag damals auf Kickstarter zwischen 90 und 120 Euro, was tatsächlich günstiger als erwartet ist, insofern würde ich mal vermuten: der Heatle könnte ebenfalls in diesem Bereich landen.
  • Ohne App: Ein bisschen Sorgen bereitete mir die Vorstellung, der Heatle sei zwangsläufig auf eine App angewiesen: das ist nicht der Fall. Die (Temperatur-)Steuerung erfolgt über den Knopf auf der Vorderseite und darüber hinaus gibt es ein kleines Display, dem man die eingestellte Temperatur entnehmen kann (im Video ist es kurz zu sehen).
  • Ich schrieb oben "beliebiges Gefäß", und das ist nicht grundsätzlich falsch, Heatle rät aber davon ab, Metalle zu benutzen (ich musste natürlich zuerst an den allgegenwärtigen Hario-Wasserkessel denken), weil dabei das gesamte Metall erhitzt wird und nicht nur der Metallstab im Inneren.

Heatle mit iPhone zum Größenvergleich (und geladen wird es auch).